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Selbstständig und dann?: Wie Freiberufler langfristig erfolgreich werden

 

Der innere Papierkorb

Veröffentlicht am 11. Januar 2012

Zwischen Zeitplänen und To-do-Listen ist die Gefahr groß, zu wenig Zeit zur Erholung einzuplanen. Begrenzte Arbeitszeit erhöht den Druck, die vorhandene Zeit bestmöglich auszunutzen. Aber: Der Mensch braucht Pausen, um arbeitsfähig bleiben zu können. Die Diplom-Psychologin und freie Journalistin Inga Rapp  beschreibt in ihrem Gastbeitrag die Möglichkeiten, den Schreibtisch für einige Zeit Schreibtisch sein zu lassen.

 

Auf den ersten Blick scheinen Unterbrechungen nur unnötig Zeit zu kosten und den Arbeitsfluss zu stören. Langfristig jedoch sparen sie Arbeitszeit ein: Pausen entlasten das Gehirn und den Körper; Arbeit ohne Pausen ist auf Dauer unproduktiv. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei einem Gummiband: Hält man das Band beständig unter Spannung, wird es schnell spröde und unflexibel. Entspannt man es jedoch regelmäßig, behält es seine Elastizität – und somit seine Leistungsfähigkeit.

Deshalb ist es wichtig, in Pausenzeiten nichts zu tun, was viel Aufmerksamkeit beansprucht. Im wörtlichen Sinne „Hirnloses“ ist hier die bessere Wahl. Sich mal kurz im Stuhl zurückzulehnen, für einen Moment aus dem Fenster zu blicken oder die Wand anzustarren – wie so häufig sind es die kleinen Dinge, die wertvoll sind. Schieben Sie solche Mini-Pausen je nach Bedarf ein.

Vielleicht möchten Sie die wenigen Minuten ja sogar für eine kurze Wahrnehmungsübung in Form einer bewussten „Reise durch Ihren Körper“ nutzen? Dies kann Ihnen gleichzeitig helfen, Verspannungen auf die Spur zu kommen und die Muskeln durch kurze Übungen – etwa Räkeln oder Schulterkreisen – wieder zu lockern. Bewährt haben sich auch Übungen mit „inneren Bildern“: einfach mal für zwei bis drei Minuten an etwas Schönes denken, an das Gefühl der wärmenden Sonne beim Spazierengehen, das Geräusch des plätschernden Wassers rund um die sich sanft wiegende Luftmatratze oder den Geruch von Weihnachtsplätzchen und den Geschmack gut gewürzten Glühweins. Nicht zuletzt sind Atemtechniken jeder Art – beispielsweise aus dem autogenen Training oder dem Yoga – eine gute Möglichkeit, für einen Moment Ruhe zu schaffen und sich innerlich wieder zu sammeln.

Als Faustregel gilt: spätestens alle 90 Minuten eine 15-minütige Pause einlegen! Lassen Sie sich notfalls von einem Kurzzeitwecker oder einer entsprechenden Software daran erinnern.

Ebenfalls ganz wichtig: in der Pause weg vom Schreibtisch! Die räumliche Veränderung verändert auch die innere Perspektive; Distanz zur eigenen Arbeit zu schaffen fällt deutlich leichter, wenn der Monitor mit dem unfertigen Projekt außer Sichtweite ist. Nach einer Viertelstunde Spaziergang um den Block ordnen sich die Gedanken wie von selbst und der Rest der Arbeit geht leicht von der Hand.

Verlassen Sie sich darauf: Ihr Hirn wird während der Pause von ganz allein weiter vor sich hin arbeiten! Sie müssen es nicht unter Spannung halten. Gönnen Sie ihm lieber einen Moment der Ent-Spannung, denn nur so kann es flexibel bleiben. Pausen helfen, die innere Ordnung wieder herzustellen. Ebenso wie beim Ausmisten kann man sich hier ein bisschen vom angesammelten Ballast trennen – ganz im Sinne Kurt Tucholskys, der sagte: „Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.“

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