Dieser Beitrag stammt aus einer wunderbaren Aktion des Netzwerks http://www.texttreff.de , dem „Texttreff-Blogwichteln“ – eine Kollegin schreibt also für das Blog einer anderen. Margit Sies-Gurel, selbstständig als Übersetzerin und Marketing-Betriebswirtin, erzählt hier von den kleinen und größeren Widrigkeiten des Alltags einer selbstständigen Mama. Augenzwinkern nicht ausgeschlossen…
Tiefgarage, 8:00 Uhr morgens.
Ich bin mit meinem Vierjährigen auf dem Weg zum Kindergarten. Der Platz neben uns ist leer.
Er: „Mama, schau mal. Frau X ist gar nicht da.“
Ich: „Ja, die ist wahrscheinlich schon bei ihrer Arbeit.“
Er: „Was macht sie denn?“
Ich: „Ich bin mir nicht sicher. Ich denke, sie arbeitet auch irgendwo in einem Büro, wo sie schreibt und rechnet.“
Er: „Aber warum hat sie denn ihr Büro nicht zuhause, so wie du?“
Gute Frage. Vielleicht muss man sich so ein paradiesisches Dasein erst einmal verdienen – im wahrsten Sinne des Wortes?
Wer hat es nicht schon gehört: „Ach, du arbeitest von zuhause aus? Das ist ja praktisch, da hast du ja kaum Kosten.“ Stimmt tatsächlich. Wenn man absieht von den üblichen „Verdächtigen“, die so selbstverständlich sind, dass sie kaum einer Erwähnung bedürfen, zum Beispiel Telefon, Büromaterial und ein paar Fachbücher. Wenn man der Meinung ist, man könne seine Steuererklärung selbst zusammenbasteln und den einen oder anderen Rechtsstreit mit ein paar netten Worten ausbügeln. Wenn man Auto fahren als Privatvergnügen erachtet, nie krank wird und die Arbeit so viel Spaß macht, dass man nicht mehr in Urlaub fahren möchte. Und sich um seine Altersvorsorge in ein paar Jahren kümmert, wenn „der Laden erst mal läuft“ – ja, dann hat man zwar tatsächlich kaum Kosten. Aber mit Sicherheit auch kein erfolgreiches Unternehmen.
Die Zeiten, in denen „Home Office“ assoziiert wurde mit „Heimarbeit“ in Gestalt von bastelnden Hausfrauen, die sich ein Taschengeld für den Friseur verdienten, sind längst vorbei. Neue Berufsbilder und flexible Arbeitszeitmodelle in vielen Branchen haben den heimischen Arbeitsplatz salonfähig gemacht, unter Umständen sogar notwendig. Und es sind aus naheliegenden Gründen natürlich viele Frauen mit (kleinen) Kindern, die hier ihre Chance sehen: mit einer selbstständigen Tätigkeit Kind und Job unter einen Hut zu bringen.
Wer bereits in seinem letzten – kinderlosen – Leben selbstständig war, weiß ja schon, wo der Hase lang läuft und was einen erwartet. Aber kann eine Frau, die kurzzeitig Expertin für Gemüsebreie und Windeldermatitis war, früher oder später wieder ein notwendiges Maß an Professionalität in ihrem ursprünglichen Beruf ausstrahlen? Kann sie. Mit folgenden Hilfen im Gepäck:
Und wenn der Sprössling dann statt eines neuen Kinderzimmers lieber „ein Büro“ haben möchte, so „wie ihr da oben“, ja, dann könnte das doch ein Beweis sein für eine gelungene Work–Life-Balance, oder?
Manche Dinge brauchen eine Weile: So wie ein guter Rotwein muss auch so manches neue Projekt eine Zeit lang reifen, bevor die Idee vom Kopf aufs Papier kommt. Das war bei meinem Buch “Selbstständig und dann?” so – und das gilt auch für mein neues Projekt, ein weiteres Unternehmensstandbein ab 2012 aufzubauen. Es wird in jedem Fall mit Steuern zu tun haben – was sonst. Aber es wird anders sein als das, was ich bisher als Journalistin, Dozentin und Autorin gemacht habe. Mehr wird noch nicht verraten… Zum Jahresende ist es aber allemal wichtig, sich mit seiner eigenen Positionierung am Markt zu befassen. Im Alltagsgeschäft bleibt dafür wenig Zeit, man jagt hier und da einem kreativen konzeptionellen Gedanken nach, hat aber kaum Gelegenheit, sich intensiver mit ihm auseinanderzusetzen.
Das sollten Sie zum Jahreswechsel tun: Ihre Kunden sind im Urlaub oder mit anderen Dingen beschäftigt – und Sie könnten die freie Zeit zwischen den Jahren nun nutzen, Ihre Aufstellung am Markt zu prüfen. Das gilt nicht nur für Ihre Kalkulation, die Sie am besten als erstes auf den Prüfstand stellen, sondern auch für Ihr Dienstleistungsangebot, Ihr Alleinstellungsmerkmal. Hat sich Ihre Kundschaft verändert, sind Auftraggeber weggefallen oder neue hinzugekommen – womöglich in Bereichen, die Sie gar nicht mehr auf dem Radarschirm haben? Welche Gründe könnte es dafür geben? Gibt es Aufträge, die Ihnen keinen Spaß mehr machen – und die Sie deswegen in Zukunft nicht mehr annehmen möchten? Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage: Was könnte Ihnen künftig Spaß machen?
Denn eines ist für jeden Freiberufler essentiell: dass er oder sie den Spaß an der Arbeit nicht verliert. Lukrative Aufträge sind eine Sache; wenn Sie sich aber mit solchen Projekten nur noch herumschlagen, weil das Geld hereinkommen muss, sollten Sie in jedem Fall über eine Neupositionierung nachdenken. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Aufstellung für 2012!